Helikopter-Eltern in der Öffentlichkeit "Mein Sohn bekommt von mir keine Anweisungen, was richtig oder falsch ist!"

Kinder räumen Regale aus oder bemalen Hotelwände - und deren Helikopter-Eltern finden das ganz normal. Wehe jedoch, jemand rügt den Nachwuchs. Die besten Anekdoten aus Supermärkten, Cafés und Friseurläden.

Kinder im Supermarkt (Symbolbild)
Getty Images

Kinder im Supermarkt (Symbolbild)


Sie kennen sicherlich das afrikanische Sprichwort, wonach es ein ganzes Dorf braucht, um ein Kind großzuziehen? Das bedeutet: Auch Nachbarn, Bekannte und Fremde sollten sich in die Erziehung von Kindern einmischen, damit diese gut gelingt.

Für Helikopter-Eltern ist eine solche Vorstellung der größtmögliche Übergriff. Nur sie allein können und dürfen das Verhalten ihres Kindes beurteilen und kommentieren - und zwar völlig unabhängig davon, wie unmöglich sich ihr Nachwuchs benimmt und ob sie es überhaupt selbst mitkriegen.

Das führt dann zu Szenen wie: Ein Kind tritt im Flugzeug stundenlang in die Rückenlehne des Vordermanns, der sich irgendwann über dem Atlantik schließlich dazu durchringt, sich umzudrehen und das Kind freundlich zu bitten, dies zu lassen. Doch wehe, es handelt sich um ein gehelikoptertes Kind.

"Er hat doch gar nichts gemacht!", "Meckern Sie mein Kind nicht an!", "Es ist ein Kind - stellen Sie sich nicht so an!" - das sind noch nette Reaktionen der dazugehörigen Eltern.

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Läuft es mal nicht so rund mit dem Kind in der Öffentlichkeit, sind nämlich nur die Mitmenschen schuld, die unverschämterweise auch die Straße, das Café oder die Umkleide benutzen.

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Lesen Sie hier Auszüge aus dem Buch.

Ein Merkmal von Helikopter-Eltern ist ja, dass sie ihre Kinder niemals aus den Augen und am liebsten nicht mal von der Hand lassen. Manchmal tun sie dies aber doch - und die Kinder tun dann altersgerechte Dinge, die jedoch nicht unbedingt kompatibel sind mit der Umgebung, in der sich Mami und Papi gerade aufhalten: Supermärkte, Boutiquen, Restaurants, Hotels, Friseurläden. An soziales Verhalten darf man in solchen Situationen jedoch nicht appellieren.

Selbst unter Freunden kann es zu unangenehmen Situationen kommen. Denn: Wie reagiert man, wenn die gute Freundin oder der beste Kumpel plötzlich zum Helikopter mutiert?

  • picture alliance / Bildagentur-o
    Vom Dinkelzwang bis zur Notenklage: Sind Sie Hebamme, Lehrer, Erzieher, Kinderarzt, Studienberater, Professor, Anwalt, Sporttrainer - oder Nachbar/Freund/Bekannter? Haben Eltern schon mal absurde Forderungen an Sie gestellt oder versucht, Sie auszuhorchen, zu beeinflussen oder einzuspannen - zum vermeintlichen Wohle der eigenen Kinder?

    Schicken Sie uns hier Ihre absurden Anekdoten über Helikoptereltern und/oder anonymisierte (WhatsApp)-Dialoge. (Mit einer Einsendung erklären Sie sich mit einer anonymen Veröffentlichung auf SPIEGEL ONLINE und sämtlichen anderen Medien der SPIEGEL-Gruppe einverstanden.)

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insgesamt 190 Beiträge
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casbavaria 06.12.2018
1. Ohh jaa...
...den Spass im Flieger hatte ich auch schon.... Hinter mir so ein etwa 6-jähriger Fratz, der mir unentwegt gegen die Sitzlehne tritt. Ich habe ihn erst mehrfach gebeten, damit aufzuhören, die Mutter sitzt ungerührt daneben - irgendwann habe ich ihm gesagt, wenn er noch einmal gegen meine Lehne tritt, kriegt er eine geknallt - ohh da hat sich Mami aber aufgeregt... Daraufhin habe ich ihr angeboten, gern mit mir Platz zu tauschen, dann dürfe ja ihr Sohn gegen ihre Lehne treten, das würde sie sicherlich dann auch nicht stören - dann war auf einmal Ruhe ...
so-long 06.12.2018
2. Arme Kinder
Die können zwar nicht für die Heli-Eltern, werden dies aber später im Umgang mit anderen bitter bezahlen müssen. Da sie mit den eigenen Marotten aufwachsen, fallen ihnen diese nicht auf. Die Umgebung wird diese nicht hinnehmen wollen und diese Kinder/Erwachsenen „schneiden“. Vielleicht beschweren sie sich dann wiederum darüber, gemoppt zu werden.
dasbeau 06.12.2018
3. "Sag Danke..."
Das mit der Wurst-Dienstleistung ist natürlich Quatsch, aber dass eine Unbeteiligte das Kind auffordert "Danke" zu sagen, würde ich mir auch verbitten. Diese Aufforderung kann berechtigter Weise von der Bedienung kommen, oder aber von den Eltern. Wer durch das Verhalten des Kindes direkt betroffen ist bzw. Schaden vermeiden kann (Lärm, Verletzung, Zerstörung u.ä., oder auch die Wurstverkäuferin, deren Freundlichkeit nicht honoriert wird), darf auch was sagen, ggf. sogar einschreiten, aber bitte niemand, der seine eigenen Werte unter das Volk bringen möchte. Das war etwas zwischen Verkäuferin, Mutter und Kind, da hat sich kein anderer einzumischen.
spon_2999637 06.12.2018
4. Ganz falsche Strategie
"Ein Kind tritt im Flugzeug stundenlang in die Rückenlehne des Vordermanns, der sich irgendwann über dem Atlantik schließlich dazu durchringt, sich umzudrehen und das Kind freundlich zu bitten, dies zu lassen. " Falsche Strategie - man bittet die Mutter/den Vater freundlich, für eine gesellschaftstaugliche Erziehung des Kindes zu sorgen....
carlitom 06.12.2018
5.
Ich verstehe die Gleichsetzung von Helikopter-Eltern mit antiautoritärer Erziehung nicht. Da gibt es keinen Zusammenhang.
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