US-Studienfinanzierung Gezahlt wird erst, wenn man ein gutes Gehalt hat

Studenten in den USA haben etwa 1,5 Billionen Dollar Schulden angehäuft. Ein Online-Learning-Start-up will seine Studenten deshalb erst später zur Kasse bitten - und könnte die Studienfinanzierung revolutionieren.

Uniabsolventin mit Abschlusszeugnis (Symbolbild)
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Uniabsolventin mit Abschlusszeugnis (Symbolbild)


Der neue Anstoß kommt ausgerechnet aus dem Silicon Valley. Dort, wo das Risikokapital zu Hause ist, bekommt ein Start-up Unterstützung für einen amerikanischen Traum: Studenten sollen sich für ein Studium nicht mehr so hoch verschulden müssen.

Studieren in den USA ist so teuer, dass viele Amerikaner ihre Studienkredite selbst im Rentenalter noch abstottern müssen. Einzelne Bundesstaaten haben deshalb schon die Gebühren für die Community Colleges abgeschafft. Doch es nützt nichts: Im vergangenen Jahr erreichten die Schulden einem Bericht der "New York Times" zufolge einen neuen Rekord - sie stiegen auf 1,5 Billionen Dollar.

Für jeden Einzelnen sind das dem Bericht zufolge im Durchschnitt etwa 22.000 Dollar Schulden, die durch die Studienkredite angehäuft werden. Damit ist zumindest für die Studenten der Lambda School Schluss.

So funktioniert das staatliche Hochschulsystem in den USA
Community Colleges

Das US-Hochschulsystem ist dreigeteilt. Die Community Colleges bieten mit zweijährigen Studienprogrammen den Einstieg in eine akademische Bildung, gerade für sozial schwächere junge Menschen. Allerdings gelten sie auch als am schlechtesten ausgestattet und haben die höchsten Abbrecherquoten.

Community Colleges haben traditionell die niedrigsten Gebühren, zumeist wenige Tausend Dollar pro Jahr.

Colleges und Universitäten

Colleges und Universitäten führen in vier Jahren zum Bachelor. Absolventen von Community Colleges können an ein College oder eine Uni wechseln, um dort nach zwei weiteren Studienjahren mit dem Bachelor abzuschließen.

Universitäten dürfen sich normalerweise nur solche Einrichtungen nennen, die neben einem College auch sogenannte Graduate Schools für Master- und Doktoranden-Programme in einem breiten Fächerspektrum anbieten. Die Studiengebühren für den Graduate-Bereich will bisher kaum eine politische Initiative abschaffen. Dort gibt es auch die meisten Stipendien für leistungsstarke Studenten.

Staatliche Hochschulen sind für Einwohner des eigenen Bundesstaats relativ günstig. An renommierten Universitäten wie Chapel Hill in North Carolina etwa zahlen Auswärtige 32.000 Dollar pro Jahr - und damit die 4,5-fache Gebühr.

Das Online-Learning-Start-up verlangt von den Studenten keine Gebühren, sondern schließt mit ihnen einen umgekehrten Generationenvertrag: Erst wenn sie einen gut bezahlten Job haben mit einem Jahreseinkommen von mindestens 50.000 Dollar, müssen sie zwei Jahre lang 17 Prozent ihres Einkommens an die Lambda School zurückzahlen. Wer sehr gut verdient, soll aber nicht übermäßig zahlen: Gedeckelt ist der Gesamtbetrag auf 30.000 Dollar.

In Deutschland ist das Modell bereits bekannt. Hierzulande ist es dank Bafög und einem mehr oder minder kostenlosem Studium an einer staatlichen Hochschule nicht üblich, sich für ein Studium hoch zu verschulden. Entsprechend suchen auch Privatunis nach Beitragsvarianten, die Studieren unabhängig von der Finanzkraft des Einzelnen ermöglichen.

Die private Universität Witten/Herdecke macht das zum Beispiel so. Hier können Studenten die Gebühren auf Wunsch einkommensabhängig später zahlen.

Auch die private Code-University in Berlin, wie die US-Lambda School ein Kind der Start-up-Szene, lässt ihren Studenten die Wahl: Entweder, sie zahlen einen monatlichen Fixbetrag. Oder sie zahlen zehn Jahre lang 6,5 Prozent ihres Verdienstes, gedeckelt bei gut 53.000 Euro. Der Vertrag greift erst bei einem Jahreseinkommen von mindestens 30.000 Euro.

Nun könnte das Modell auch in den USA angewendet werden. Wie die "New York Times" berichtet, hat die Lambda School am Dienstag etwa 30 Millionen Dollar Spenden im Silicon Valley eingetrieben. Zu den Geldgebern gehören Geoff Lewis von Bedrock, Google Ventures, GGV Capital, Vy Capital und Y Combinator.

Ein Erfolg, der in den USA genau beobachtet wird. Pädagogen interessieren sich für das Modell genauso wie Akteure des gewaltigen Komplexes, der rund um die Schulden der Studenten besteht, bis hin zur Wall Street. Einzelne Unis wie die Purdue University im Bundesstaat Indiana entwickeln bereits ähnliche Modelle für sich.

Allerdings könnte das Konzept dem Bericht zufolge nicht für alle Studiengänge aufgehen. Denn das Finanzierungsmodell lohnt sich nur, wenn die Absolventen einmal gut bezahlten Jobs nachgehen. Wer dieses Risiko für einen Literaturstudenten oder eine angehende Philosophin eingehen wird, ist nicht abzusehen.

sun



insgesamt 37 Beiträge
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WOLF in USA 11.01.2019
1. 1.5 Billionen sind legaler Betrug
Nicht ganz zum Thema, aber die 1.5 Billionen sind ohnehin ein Unding. Der Staat hat "student debt" einfach an den meistbietenden vehoekert. Aus 25 Tsd Dollar Schulden wurden in wenigen Jahren schnell 30, gar 50 Tsd. Darueberhinaus sind "student debts" von der Moeglichkeit eines Privatkonkurses ausgenommen und es darf nur Begleichung der Schulden ggf. sogar die "social security" gepfändet werden. 1.5 Billionen sollten bestenfalls 500 Milliarden sein. Immer noch eine gigantische Summe, aber die Art und Weise wie hier ganze Generationen von einem unverantwortlichen, gierigen und unmoralischen System ueber den Tisch gezogen werden ist eine zum Himmel schreiende Schande und eine vom Staat autorisierte Ungerechtigkeit die schlicht verboten gehört.
großwolke 11.01.2019
2. Ziemliche Geldschneiderei
Eine Online-Uni, also ein beliebig skalierbares Software-Produkt, das nur wenig Personal und keine Lehrgebäude benötigt, will ihren Studenten Gebühren im Bereich von 17.000 bis 30.000 Dollar abknöpfen. Das ist jetzt nicht unbedingt ein Schritt in die richtige Richtung. Was noch von Interesse gewesen wäre: welches Curriculum bietet besagte Online-Uni denn an? Handelt es sich dabei eventuell um Ausbildungsgänge, die bekanntermaßen in gut bezahlte Einstiegs-Jobs führen? Einziger Vorteil an diesem Angebot: die relative Zinsfreiheit. Ein großes, wenn nicht das größte Problem bei Studienkrediten ist der Zins. Wer nicht direkt nach Abschluss des Studiums anfangen kann, zu tilgen, dessen Schuldenberg wird unaufhaltsam größer.
Sibylle1969 11.01.2019
3.
Als mir einigen Jahren amerikanische Kollegen erzählten, dass sie nach dem Studium 200.000 Dollar Schulden für den Studienkredit hatten, an dem sie jetzt mit Anfang 40 immer noch abbezahlen, war ich geschockt. Ich bin absolut sicher, dass ich überhaupt nicht studiert hätte, wenn ich mich dafür hätte hoch verschulden müssen. Das Studium in D ist gottlob kostenlos, und das ist auch gut so. Die 10.000 Mark Bafögschulden, die ich 5 Jahre später zurückzahlen musste, waren ein Klacks. 100.000 Euro sind es nicht.
rompi 11.01.2019
4. 1,5 Billionen
Ich denke, der Wert von 1,5 Billionen kommt von einer schludrigen Übersetzung aus dem Englischen. "One billion" ist gleich 1 Milliarde im Deutschen. Denn bei einer Durchschnittverschuldung von 22.000 USD käme ich bei einer Gesamtverschuldung von 1,5 Billionen auf ca. 68 Millionen Studenten, die das beträfe. Das erscheint mir doch etwas hoch.
Braveheart Jr. 11.01.2019
5. Finanzierung mit Risikokapital ...
... und 100% Abschreibung, so daß jeder Cent, der tatsächlich zurücktröpfelt, Reingewinn ist. Ein reines Steuersparmodell - wie Donald Trump es liebt! Von der Qualität der Ausbildung will ich erst gar nicht anfangen. Allerdings möchte ich - auch wenn es nicht direkt zum Thema gehört, hinzufügen daß die Studienkosten an einer englischen Eliteuniversität noch höher sind - zur Zeit 9.000 GBP (Pfund Sterling) pro Jahr. Die Schuldzinsen sind auch nicht gerade mickrig, aber ... zurückgezahlt wird erst, wenn das Jahreseinkommen einen bestimmten Wert übersteigt (ca. 30.000 GBP). Ist das nicht der Fall, bleibt der Betrag zwar ewig in den Büchern, kann aber nicht realisiert werden. Da der Staat den Studenten das Geld vorstreckt, guckt am Ende auch der Staat in die Röhre. Da die Universitäten in den letzten 20 Jahren ihre Studierendenzahlen massiv erhöht haben, zittern sie jetzt vor einem Brexit-bedingten Rückgang der Bewerber aus west- und nordeuropäuschen Ländern (u.a. via Erasmus-Programm). Da einige Universitäten zur Finanzierung der Expansion hohe Schulden gemacht haben, zittern sie doppelt. Dreifach, wenn man dazunimmt, daß die Belegung mit Gaststudenten (die nach erfolgtem Studiengang in ihre Heimatländer zurückkehren) den Universitäten bis heute erlaubt hat, bei der Auswahl einheimischer Studenten sehr kritische Maßstäbe anzulegen. Aber das ist ein anderes Thema ...
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