Trauerfeier für George H.W. Bush Der teilnahmslose Gast

Mit einer berührenden Trauerfeier haben die Bush-Familie und zahlreiche Staatsgäste Abschied von George H.W. Bush genommen. In Erinnerung bleibt auch: ein wie eingefroren grimmiger Donald Trump.


Die Trauerfeier von George H.W. Bush war auch ein Treffen der noch lebenden ehemaligen US-Präsidenten: Jimmy Carter, Bill Clinton und Barack Obama waren gemeinsam mit ihren Ehepartnerinnen angereist, um dem Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen. Die Sitzordnung sah vor, dass die einstigen Präsidentenpaare in einer Reihe mit dem amtierenden US-Präsidenten und seiner Frau platziert wurden. Und das sorgte bereits vor Beginn der Trauerfeier für interessante Szenen.

Die Obamas, die Clintons und die Carters hatte ihre Plätze bereits eingenommen als Donald und Melania Trump eintrafen. Die Gespräche in der Reihe verstummten, die Blicke der bereits Sitzenden richteten sich auf das Präsidentenpaar. Die Stimmung bei der Begrüßung wirkte eisig. Während First Lady Melania Trump Hände schüttelte und Jimmy Carter freundlich zuwinkte, war ihr Mann deutlich zurückhaltender. Seine einstige Rivalin Hillary Clinton und er nickten sich kurz zu. Auf Clintons Gesicht keine Regung. Bill Clinton blieb dann von Trump ebenso unbeachtet wie das Ehepaar Carter. Den Obamas gab Donald Trump immerhin die Hand.

Als letzter der noch lebenden Präsidenten tauchte George W. Bush auf. Für ihn stand Trump sogar auf. Die Bushs begrüßten es, dass der US-Präsident überhaupt aufgetaucht war. Im Sommer blieb er einem Trauergottesdienst für den verstorbenen Senator John McCain fern. Dies geschah auf Wunsch der Familie des Verstorbenen. Der angesehene Republikaner galt zu Lebzeiten als einer von Trumps größten Kritikern aus der eigenen Partei. Und auch die Bushs hatten sich in der Vergangenheit nicht mit Kritik an Trump zurückgehalten.

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Trauerfeier von George H.W. Bush: Emotionale Zeremonie, emotionsloser Trump

Für den verstorbenen George H.W. Bush rief Trump dennoch einen nationalen Trauertag aus. Während der Zeremonie in Washington zeigte der amtierende US-Präsident dann jedoch wenig Anteilnahme. Damit stach er aus der Menge der Trauergäste deutlich hervor. Während George W. Bush in einer emotionalen Rede über seinen verstorbenen Vater sprach, wirkte Trump ungerührt. Die Arme verschränkt, den Blick ins Leere gerichtet, verzog der US-Präsident während der Veranstaltung keine Miene und wechselte auch später kaum ein Wort mit den anwesenden Staatsgästen.

Ein Tweet vor der Trauerfeier

Bei der Trauerfeier verzichtete Trump auch darauf, ein paar Worte über den Verstorbenen zu sagen. Auf Twitter schrieb er allerdings zuvor: "Dies ist kein Begräbnis, dies ist ein Tag der Feier für einen großartigen Mann, der ein langes und hervorragendes Leben geführt hat. Er wird vermisst werden!"

Bush war am Freitag im Alter von 94 Jahren in seinem Haus in Houston gestorben. Er regierte von 1989 bis 1993. Sein Tod wurde nicht nur in den USA, sondern weltweit mit Trauer aufgenommen.

Die mehrtägige Abschiednahme von dem Republikaner hatte damit begonnen, dass Trump eine Präsidentenmaschine nach Texas schickte, um die Leiche des Verstorbenen nach Washington zu holen. Der Sarg wurde anschließend im Kapitol in Washington aufgebahrt, wo sich viele Menschen von dem Ex-Präsidenten verabschiedeten. Als die Wagenkolonne mit dem Sarg am Mittwochvormittag vom Kapitol zu der Kathedrale aufbrach, hatten sich in den umliegenden Straßen viele Schaulustige versammelt. Manche von ihnen weinten.

Mittlerweile ist der Sarg wieder in Texas angekommen. Dort wird Bush neben seiner Frau Barbara und seiner Tochter Robin bestattet. Barbara Bush war erst im April dieses Jahres gestorben.

Anmerkung: In einer früheren Version dieses Textes hieß es, die Zeremonie habe in Texas stattgefunden, es war aber Washington. Wir haben das korrigiert.

asc/AP/dpa/Reuters

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