Trumps Niederlage Ein guter Tag für Amerika

Donald Trump muss nach den Midterm-Wahlen die Macht in Washington mit den Demokraten teilen. Zum Glück.

US-Präsident Donald Trump
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US-Präsident Donald Trump

Ein Kommentar von , Washington


Donald Trump hat im Wahlkampf gelogen, er hat wieder gegen Migranten gehetzt, er hat große Versprechungen gemacht - aber es hat ihm alles nichts gebracht. Amerikas Wähler haben den Präsidenten bei den Kongresswahlen abgestraft. Der Verlust der republikanischen Mehrheit im Repräsentantenhaus ist eine Niederlage für Trump und ein Sieg für die Demokratie in Amerika.

Zwar konnten die Republikaner ihre Mehrheit im Senat verteidigen. Doch die Alleinherrschaft des Präsidenten und seiner Republikaner ist gebrochen. Die Wähler in den USA waren weise genug zu erkennen, dass sie diesem Mann und seinen Gefolgsleuten nicht weiter die ganze Macht im Land überlassen können. Von nun an haben die Demokraten einen wichtigen Hebel in der Hand: Mit ihrer neuen Mehrheit im Repräsentantenhaus können sie Trump besser kontrollieren und ausbremsen. Es gibt nun ein echtes politisches Gegengewicht in Washington.

Trumps Selbstherrlichkeit stößt an eine Grenze

So zeigt sich auch, dass die Selbstreinigungskräfte dieser altehrwürdigen Demokratie im Notfall noch funktionieren. Trumps ganzer politischer Stil, seine hasserfüllte Rhetorik, seine Selbstherrlichkeit stoßen an eine Grenze. Viele Amerikaner wünschen sich, dass ihr Präsident anders agiert, versöhnlicher, menschlicher. Sie haben genug von seinen vergifteten Reden und von seinem egozentrischen Auftreten. Und sie sehen, dass dieser Mann mit seinem Faible für Autokraten eingehegt werden muss, weil er sonst die politische Kultur im Land, ja, womöglich sogar die Demokratie selbst, zerstören würde. Sie haben ihm eine klare Botschaft gesandt: Niemand steht über dem Gesetz, auch nicht der Präsident der Vereinigten Staaten.

Der Opposition gegen Trump wird dieser Erfolg Auftrieb geben. Natürlich hatten sich die Demokraten von der Wahl mehr erhofft, etwa einen Sieg von Beto O'Rourke in Texas. Aber sie können doch sehr zufrieden sein. Sie haben bewiesen, dass sie noch gewinnen können. Nach der katastrophalen Niederlage von Hillary Clinton 2016 wird ihr Selbstbewusstsein gestärkt. Sie können nun darauf setzen, Trump auch bei der Präsidentenwahl 2020 zu besiegen und diesen politischen Albtraum zu beenden. Ohne diesen Erfolg bei den Midterm-Wahlen hätten sie wohl jede Hoffnung auf ein Comeback begraben können.

Trump hat weiterhin viele Unterstützer

Es muss sich aber auch niemand etwas vormachen: Trump ist noch lange nicht geschlagen. Der Präsident und seine Republikaner konnten bei dieser Wahl einige Erfolge für sich verbuchen. Der Sieg wichtiger Senatssitze wie etwa in Indiana oder Tennessee zeigt, dass Trump nach wie vor über starken Rückhalt in etlichen Staaten des Mittleren Westens und des Südens verfügt. Dort, in konservativen Gegenden, kommen seine nationalistischen Botschaften für ein starkes Amerika und gegen Einwanderung gut an. Wenn es den Demokraten bei der Wahl 2020 nicht gelingt, einen Kandidaten oder eine Kandidatin zu finden, der oder die auch hier Wähler von Trump zurückerobern kann, wird es für sie schwer sein, ihn aus dem Weißen Haus zu vertreiben.

Wie geht es jetzt weiter? In einer idealen Welt würden der Präsident und Demokraten nach dieser Wahlnacht eigentlich zusammenfinden, Kompromisse ausloten und versuchen, im Interesse des ganzen Landes gemeinsam zu regieren. Das wäre schön und wünschenswert.

Ist eine solche ideale Welt mit Donald Trump zu machen? Die Antwort lautet wohl leider: nein. Trump hätte schon häufig die Chance dazu gehabt, ein Präsident aller Amerikaner zu sein. Einer, der auf seine Kritiker und Gegner zugeht. Er hat sie nie genutzt. Der wirkliche politische Neuanfang, eine Überwindung der Spaltung des Landes, wird - wenn überhaupt - erst möglich sein, wenn dieser Präsident nicht mehr Präsident ist.



insgesamt 109 Beiträge
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redmeck 07.11.2018
1. Keine Abstrafung für Trump
Die Midterms werden in der Regel von der Opposition gewonnen. Viel spannender ist, dass (Stand derzeit) sämtliche umkämpfte Senatorenwahlen an die Republikaner gehen. Von einer Abstrafung kann in keinster Weise somit geredet werden! Diese Wahl zeigt nur wie gespalten die USA sind, nichts mehr.
Grummelchen321 07.11.2018
2. Es
bleibt die Frage ob es tatsächlich etwas bringt.Wenn man lesen kann wie Wähler ausgeschlossen oder wahlkreise manipuliert werden können.Was haben dann die Wahlen in den USA für einen demokratischen Sinn?
hplanghorst 07.11.2018
3. In den naechsten 2 Jahren...
...passiert genau: gar nichts. Gridlock genauer gesagt, und nur um ein paar Haushalte durchzudruecken gibts dann ein paar government shutdowns. Auch nicht das schlimmste wenn die Behoerden zumachen; geht auch besser ohne sowieso. Die Medien werden weiter machen mit Ihrem Geschimpfe und weiter an Umsatz einbuessen. Die Steuern bleiben niedrig. Und rein gar kein Anliegen des num demokatischen Hauses, das ja fuer die Gesetzgebung zustaendig ist wird durchkommen. Sollte es mal gelingen vom Senat ratizifiert zu werden, brauchts immer noch Trump’s Unterschrift um in Kraft zu treten, und da ist dann aus die Maus.
tonhalle 07.11.2018
4. Amerika ist nicht Europa!
Für uns ist dieser Präsident nahezu unerträglich, aber die USA sind nun einmal nicht Europa! Bei wirklich allem Verständnis für Ihren Beitrag, viele Millionen US-Amerikaner wollen ganz klar diese Politik. Vielleicht sollte einmal damit begonnen werden, das zu analysieren. Religiösität, schlechte Bildung, Demokratieverständnis....
claus7447 07.11.2018
5. Der Sieg der Demokraten
Ist nur teilweise eingetreten. Der teilsieg im Abgeordnetenhaus wird interessant. Jetzt wird es möglich sein Untersuchungsausschüsse einzusetzen, die Trumps Steuererklärungen an das Licht bringen werden. Die Finanzierung der MAUER wird wohl platzen. Aber mal abwarten, Donald wird nicht mehr so einfach durchregieren können.
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