US-Milliardär Tom Steyer 100 Millionen Dollar, um Trump aus dem Amt zu jagen

Der Milliardär und Ex-Fondsmanager Tom Steyer ist entschlossen, den Präsidenten aus dem Amt zu jagen. Er lässt sich seinen Feldzug fast 100 Millionen Dollar kosten.

Milliardär und Ex-Fondsmanager Tom Steyer
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Milliardär und Ex-Fondsmanager Tom Steyer

Von , Washington


Der Mann auf der Bühne sieht nicht aus wie jemand, der 1,6 Milliarden Dollar schwer ist. Tom Steyer trägt graue Jeans, Krawatte mit Schottenkaro und sein Hemd ist eine halbe Nummer zu groß.

Aber entweder interessieren den Milliardär aus Kalifornien solche Äußerlichkeiten nicht - oder vielleicht ist der Casual-Friday-Look sogar gewollt. Der frühere Hedgefonds-Manager, Nr. 1477 auf der "Forbes"-Liste der Reichsten der Welt, will die Massen Amerikas hinter sich versammeln.

Nicht, um Präsident zu werden, wie mancher seiner Unternehmerkollegen, der davon träumt, den Berufserfolg mit einer politischen Karriere zu krönen. Steyer will den Amtsinhaber Donald Trump lange vor der Wahl 2020 aus dem Oval Office jagen. "Glaubt ihr, er ist ein Krimineller?", ruft er in den vollbesetzten Saal. Inbrünstig schallt es an diesem Abend aus Hunderten Kehlen zurück: "Yeah!"

Aus allen Teilen Amerikas sind Menschen Steyers Ruf nach Washington gefolgt: zu einer Art zweitägigem Anti-Trump-Trainingslager, im Keller eines Hotels, eine Meile vom Weißen Haus entfernt. Im Oktober 2017, knapp ein Jahr nach Trumps Wahlsieg, hat Steyer seine Organisation "Need to Impeach" gestartet. Einziges Ziel: Den US-Kongress zu zwingen, ein Amtsenthebungsverfahren (Impeachment) gegen den Präsidenten einzuleiten.

Die Führung der Demokraten hat das bisher abgelehnt, weil sie fürchtet, dass das parlamentarische Verfahren am Ende sowieso an der Mehrheit der Republikaner im Senat scheitert, bis dahin aber alle anderen Erfolg versprechenden Wahlkampfthemen überlagert.

Steyer heizt den Druck an

Doch an der Basis wächst der Druck - und es ist Steyer, der den Kessel anheizt. Rund 50 Millionen Dollar hat er schon in die Kampagne gesteckt, etwa so viel wie SPD und CDU gemeinsam für den Bundestagswahlkampf 2017 ausgegeben haben. In diesem Jahr will der Ex-Banker weitere 40 Millionen in seinen Feldzug investieren: in TV-Spots und den Aufbau einer Graswurzelbewegung, die den Abgeordneten Feuer unter dem Hintern macht. "Wenn wir es nicht schaffen, einen Kriminellen aus dem Weißen Haus zu werfen, wie können wir davon reden, irgendeine Reform in diesem Land umzusetzen?", schimpft er.

Der 61-Jährige ist ein politischer Außenseiter, der sich zwischen den Profipolitikern und hauptamtlichen Lobbyisten Washingtons nach eigenem Bekunden "super einsam" fühlt. Aber er ist kein Fantast, sondern einer, der weiß, worauf er sein Geld setzt. Seine Investmentstrategie: hohes Risiko, hoher Gewinn.

Der Yale- und Stanford-Student hat bei Morgan Stanley und Goldman Sachs gearbeitet und 1986 in San Francisco einen eigenen Hedgefonds gegründet. Farallon Capital, benannt nach einer bei Haien beliebten Inselgruppe vor der Westküste. Farallon schaffte den Aufstieg in die Riege der weltweit größten Hedgefonds - dank einer Strategie, die Investitionschancen "aggressiv" nutzte, wo immer sie sich auftaten, wie das Branchenmagazin Institutional Investor einmal anerkennend feststellte. Als Steyer 2012 seinen Anteil verkaufte, war aus dem einstigen 15-Millionen-Dollar-Start-up eine 20-Milliarden-Dollar-Vermögensverwaltung geworden.

"Trump handelt wie Michael Corleone in 'Der Pate 2'"

Aber auch der Hedgefonds-Manager selbst hatte sich im Laufe der Jahrzehnte verändert. Aus dem Finanzhai wurde ein Aktivist und Philanthrop, der gegen den Klimawandel kämpft und versprochen hat, mindestens die Hälfte seines Vermögens für eine bessere Welt zu spenden.

Und zu dieser besseren Welt gehört für Steyer, dass der 45. Präsident der USA, den er selbst nur als "er" oder "Mr. Trump" bezeichnet, schnellstmöglich aus dem Amt entfernt wird. Ganz zufällig, erzählt er seinen Zuhörern in Washington, habe er gerade "Der Pate 2" gesehen. Die Parallelen seien erschreckend: "Er handelt wie Michael Corleone", sagt Steyer und lacht sein langes herbes Lachen, das eher auf den Rodeoplatz als in einen Konferenzsaal passt.

Der Finanzstratege ist kein mitreißender Redner, nach mehr als 40 Townhall-Auftritten im Land liest er immer noch von Karteikarten ab. Aber er hat, was erfolgreiche Kampagnen ausmacht: eine simple Botschaft und unerschöpfliche Ressourcen.

Im Kongress-Wahljahr 2018 waren Steyer und seine inzwischen getrennt lebende Frau der Datenbank Opensecrets.org zufolge die größten Einzelspender der Demokraten nach dem früheren New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg. Künftig will Steyer nur noch solche Politiker unterstützen, die ein Amtsenthebungsverfahren unterstützen. "Wenn du gegen Impeachment bist, mach dir nicht die Mühe anzutreten. Spar dir die Zeit. Fahr Uber", rät er den Parlamentskandidaten in einem Interview der Zeitschrift "The Atlantic".

Mehr Unterstützer als die Waffenlobby NRA

Über sieben Millionen Unterschriften hat "Need to Impeach" bereits gesammelt, mehr als die berüchtigte Waffenlobby NRA Mitglieder hat. Auch Trump ist das nicht entgangen: Steyer wirke "wie ein wildgewordener und stolpernder Wahnsinniger, dem wohl ziemlich bald das Geld ausgehen wird", ätzte Trump nach einem CNN-Interview des Gegners. Die Twitter-Attacke deutet darauf hin, dass der Präsident den Angreifer ernst nimmt.

Er hat allen Grund dazu: Was Steyer tut, tut er ganz. Als Hedgefonds-Manager sei seine Haltung eindeutig gewesen, berichtete einst einer seiner Klienten der Nachrichtenagentur Reuters: "Es wird alles getan, was nötig ist, um Geld zu machen." Und er habe geliefert.

Heute hat der Milliardär eine andere Mission: "Ich werde tun, was immer notwendig ist, um einen Präsidenten aus dem Amt zu entfernen. Egal, wie lange es dauert."

Viele Demokraten hätten Angst, glaubt Steyer. Sie wollten lieber die Präsidentschaftswahl 2020 abwarten oder zumindest die Ergebnisse des Sonderermittlers Robert Mueller. Ihn erinnere das an die Taktik der Zigarettenindustrie und der Klimawandel-Leugner, die "immer noch eine Studie" abwarten wollten, bevor sie handelten: "Aber wir wissen: Zigaretten verursachen Krebs. Die Welt erwärmt sich. Und dieser Kerl ist ein Krimineller."

Im Saal klatschen sie begeistert Beifall. Dann meldet sich ein Zuhörer, ein ehemaliger Soldat. Er stimme allem zu, sagt der Mann. "Aber wann werden Sie endlich für das Präsidentenamt kandidieren?"



insgesamt 185 Beiträge
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Pfaffenwinkel 30.01.2019
1. Auch wenn Steyer Milliarden hat,
sollte man für sein Ziel, Trump aus dem Weißen Haus zu jagen, Spenden sammeln.
limauniform2 30.01.2019
2. Eine einfache Frage
Ist das jetzt Demokratie oder das Gegenteil? Gegner Trumps werden es natürlich als Demokratie sehen, demokratische Puristen hingegen könnten ins Grübeln kommen.
gammoncrack 30.01.2019
3. Ich glaube, dass es viele Amerikaner gibt,
die genau wissen, was Mr. Trump für eine Gattung von Politiker ist. Ich stimmt auch zu, dass er, sowohl vor seiner Zeit Präsident als auch jetzt, eher dem kriminellen Lager als dem der Gutmenschen zuzurechnen ist. Es wird Zeit, dass jemand wie Steyer einmal auftritt und gehört wird. Das ist natürlich seinen finanziellen Möglichkeiten geschuldet. Viele "normale" US-Bürger, die genau seiner Meinung sind, haben diese Gelegenheit nicht. Ihnen wird nun geholfen.
quark2@mailinator.com 30.01.2019
4.
In diesem Fall mag mancher gern den Zweck die Mittel heiligen sehen, aber hier soll ganz offen Geld Politik machen und das hat mit Demokratie (jede Person hat das gleiche Stimmgewicht) nichts zu tun. Hat es eigentlich eh nie, aber so offen demonstriert ist es besonders ärgerlich. Der Sonderermittler soll seinen Bericht vorlegen und dann wird man sehen, was belegbar ist.
parisien 30.01.2019
5. Geld - Macht - Politik
Selbst, wenn man mit allen Zielen und Meinungen dieses Milliardärs einverstanden ist : Hier wird überdeutlich , was eigentlich auch nicht bestritten werden kann : Geld bedeutet nicht nur wirtschaftliche , sondern auch politische Macht. Und diese wird von keinem demokratischen Volkswillen gewählt oder kontrolliert. Für mich ist dies einer der Hauptpunkte in der Reichtumsdiskussion, nicht der Neid oä .
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