Geflügelzucht ohne Kükenschreddern Erste Eier von Hennen ohne Brüder im Handel

Das Agrarministerium kämpft seit Jahren gegen die Tötung männlicher Küken. Nun gibt es im Supermarkt Eier von Hennen, deren männliche Geschwister erst gar nicht schlüpften - einem neuen Test sei Dank.

Männliches Küken (Archiv)
DPA

Männliches Küken (Archiv)


Das massenhafte Töten männlicher Küken will Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner mit neuer Technik stoppen. Ein an der Universität Leipzig entwickeltes Verfahren sei nun der Durchbruch auf dem Weg dazu, sagte die CDU-Politikerin. Erste Eier von Hennen, die mit dieser Methode großgezogen wurden, gibt es jetzt in deutschen Supermärkten zu kaufen.

Bei dem Verfahren wird das Geschlecht noch vor dem Ausbrüten im Ei erkannt, sodass männliche Küken gar nicht erst schlüpfen. Noch ist die Methode aber nicht serienreif, kann also nicht in allen Brütereien eingesetzt werden. "Mit diesem Verfahren gibt es für das Töten der männlichen Legehennenküken auf Dauer keinen Grund mehr", sagte Klöckner jedoch bereits.

Das sogenannte Seleggt-Verfahren wurde von einer gleichnamigen Firma entwickelt, hinter der der Supermarktkonzern Rewe und ein Technologieunternehmen stehen. Klöckners Vorgänger Christian Schmidt (CSU) hatte sich bereits dafür eingesetzt. Per Laser wird bei dem Verfahren über ein winziges Loch in der Eierschale eine Probe aus dem Ei entnommen und auf Anwesenheit bestimmter Hormone untersucht.

Sechserpack soll zehn Cent mehr kosten

Bislang stand das Verfahren noch im heftigen Wettbewerb mit einem zweiten Verfahren. Bei ihm wird mithilfe eines Spektroskops und eines Algorithmus das Geschlecht bestimmt. Nun hat Landwirtschaftsministerin Klöckner dem Seleggt-Verfahren den Durchbruch bescheinigt.

Derzeit werden bei der Zucht von Legehennen allein in Deutschland jährlich 45 Millionen männliche Küken getötet, da sie keine Eier legen und nicht so viel Fleisch ansetzen wie Masthähnchen.

Wann dem mit der neuen Methode flächendeckend begegnet werden könne, sagte Klöckner nicht. Es stehe auch noch nicht fest, ob die Betriebe zur Nutzung der neuen Methode verpflichtet würden. Zunächst will die Ministerin auf eine freiwillige Regelung setzen. "Wenn Brütereien sagen, das ist uns egal, kommen wir in eine andere rechtliche Bewertung der Sache."

Für die Brütereien sollen keine zusätzlichen Kosten entstehen, kündigten die Anbieter des Verfahrens an. Stattdessen verlangen sie vom Handel eine Lizenzgebühr. Dadurch werden die Eier der so gezüchteten Legehennen etwas teurer.

Ein Sechserpack der zunächst in 223 Berliner Supermärkten angebotenen Eiern werde etwa zehn Cent mehr kosten, sagte der stellvertretende Vorstandschef der Rewe-Gruppe, Jan Kunath. "Das sind Preissprünge, die die Verbraucher akzeptieren." Bis Ende 2019 soll es die Eier in 5500 Supermärkten geben.

Naturschützer und Geflügelhalter skeptisch

Die Geflügelwirtschaft zeigte sich skeptisch wegen des neuen Verfahrens. "Es gilt unser uneingeschränktes Bekenntnis zum schnellstmöglichen Ausstieg aus dem Töten männlicher Eintagsküken, sobald eine wirkliche Alternative vorliegt", teilte der Verband mit. Dafür müsse das System aber praxistauglich und schneller sein als bisher geplant.

Der Bauernverband begrüßte den Vorstoß: "Diese Verfahren sollten baldmöglichst praxisreif gemacht werden und flächendeckend in allen Brütereien zum Einsatz kommen", sagte Generalsekretär Bernhard Krüsken.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) dagegen kritisierte die neue Methode: "Das ist keine Lösung im Sinne einer verantwortungsvollen Tierzucht, denn Hennen müssen auch weiterhin Höchstleistung erbringen." Die Geflügelwirtschaft müsse so umgestellt werden, dass Hühner sowohl zur Eier- als auch zur Fleischproduktion geeignet seien. Dann könnten männliche Küken aufgezogen und ihr Fleisch vermarktet werden.

Schon jetzt kann man im Handel auch Eier aus Brütereien kaufen, in denen sowohl weibliche als auch männliche Küken aufgezogen werden. Die sogenannten Bruderhahn-Eier sind aber teurer - und damit laut Handel nicht massentauglich.

Anmerkung der Redaktion: Das beschriebene alternative Verfahren zur Endokrinologie beruht auf spektroskopischer Technik - und nicht ebenfalls auf der hormonellen Untersuchungsmethode. Wir haben den Fehler korrigiert.

apr/dpa/AFP

Mehr zum Thema


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.