Haushaltssperre Wie der Shutdown die US-Wissenschaft lahmlegt

Nasa offiziell geschlossen, Forschungsdaten gesperrt, Arbeitsverbot für Wissenschaftler: Der seit Wochen andauernde Shutdown beeinträchtigt zunehmend auch Wissenschaftler in den USA.

NASA-Gebäude am Kennedy Space-Center
AFP

NASA-Gebäude am Kennedy Space-Center


Seit rund drei Wochen legt eine Haushaltssperre weite Teile der US-Regierung lahm. Der Shutdown, der sich am Konflikt zwischen Republikanern und Demokraten über die Finanzierung einer Mauer an der Grenze zu Mexiko entzündete (die Hintergründe lesen Sie hier), betrifft aber nicht nur die Politik, sondern auch die Wissenschaft. Ein Überblick.

Viele der betroffenen rund 800.000 Regierungsmitarbeiter sind Wissenschaftler. In zahlreichen Behörden werden nur diejenigen weiterbeschäftigt, deren Arbeit als "absolut notwendig" eingestuft wird. Bei der nationalen Wissenschaftsstiftung NSF sind das nach Angaben des Fachmagazins "Nature" beispielsweise gerade einmal 60 von 2000 Mitarbeitern, bei der Klima- und Wetterbehörde NOAA 5500 von 11.400, bei der Umweltschutzorganisation EPA ungefähr 750 von mehr als 14.000.

Wer aufgrund des Shutdowns nicht ins Büro kommen soll, dem ist es auch verboten, im Homeoffice zu arbeiten. Nicht einmal E-Mails dürfen die Zwangsbeurlaubten lesen, und der Zugang zu wichtigen Daten auf Regierungsservern ist gesperrt. Deswegen mussten zahlreiche Forschungsprojekte gestoppt, neue Daten können vielerorts nicht gesammelt, Konferenzen mussten abgesagt werden oder in viel kleinerem Rahmen stattfinden, weil Forscher die geplanten Dienstreisen nicht antreten durften.

Nasa hat geschlossen

"Ich darf nicht arbeiten. Ich darf nicht auf Dienstreisen. Ich darf meinen Dienstlaptop nicht benutzen", schrieb die Nasa-Wissenschaftlerin Jane Rigby bei Twitter. "Darf ich über das Universum nachdenken? Unklar."

"Die Nasa ist aufgrund eines Ausfalls der staatlichen Finanzierung derzeit geschlossen", steht auf der Website der US-Raumfahrtbehörde. Schon begonnene Mission laufen zwar weiter - allerdings dürfen nur die Mitarbeiter, die für die reibungslose Durchführung dieser Missionen absolut notwendig sind, weiterhin arbeiten.

Screenshot von der Nasa-Homepage
NASA

Screenshot von der Nasa-Homepage

Die Abteilung für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beispielsweise gehört nicht dazu und so bleiben die sonst mehrmals täglich ausgehenden Pressemitteilungen derzeit aus. Momentan laufe trotzdem noch alles einigermaßen normal ab, hört man aus der Nasa. Halte der "Shutdown" aber weiter an, seien Verzögerungen bei geplanten Missionen durchaus möglich.

Smithsonian? Auch dicht

Auch ein Teil der Mitarbeiter vieler naturwissenschaftlicher Museen, Nationalparks und Zoos in den USA muss derzeit zu Hause bleiben - und viele Einrichtungen bleiben während des Shutdowns für Besucher geschlossen.

So zum Beispiel die 19 Smithsonian-Einrichtungen in der Hauptstadt Washington, darunter der Zoo. In New York bleiben beispielsweise das Design-Museum Cooper Hewitt und das Museum zur Geschichte der amerikanischen Ureinwohner geschlossen. Ein Großteil der Nationalparks ist weiterhin geöffnet, aber mit minimalem Personal - allerdings in vielen Fällen mit geschlossenen Toiletten sowie überquellenden Mülleimern.

Christina Horsten/dpa/stu

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insgesamt 31 Beiträge
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ebieberich 11.01.2019
1. Notstand jetzt!
Man kann nur hoffen, dass Trump bald den Notstand ausruft damit es endlich weitergeht. Die Republikaner und Demokraten koennen dann ihr Gesicht waren und kriegen beide was sie wollen. Trump kriegt seine Mauer (zumindest vorerst, bis die Gerichte es dann wieder verbieten) und die Demokraten haben nicht nachgegeben. Natuerlich gibt es auch die intelligente Alternative: Regierung wird wieder geoeffnet und eine unabhaengige Expertengruppe prueft, ob eine Mauer wirklich sinnvoll und finanzierbar waere. Allerdings geht es ja gar nicht um den wirklichen Nutzen einer Mauer, sondern nur darum bei den entsprechenden Waehlern zu punkten. Also Notstand jetzt!
Zündkerze 11.01.2019
2. der POTUS
nimmt eine ganze Nation in Geiselhaft. Ich weiß es nicht, aber hat es so etwas schon einmal über so einen langen Zeitraum jemals gegeben ? Ich hoffe die Trump Wähler dieses Landes erkennen irgendwann mal, das sie sich mit diesem Mann an der Spitze ins Knie geschossen haben.
litholas 11.01.2019
3.
Zitat von ebieberichMan kann nur hoffen, dass Trump bald den Notstand ausruft damit es endlich weitergeht. Die Republikaner und Demokraten koennen dann ihr Gesicht waren und kriegen beide was sie wollen. Trump kriegt seine Mauer (zumindest vorerst, bis die Gerichte es dann wieder verbieten) und die Demokraten haben nicht nachgegeben. Natuerlich gibt es auch die intelligente Alternative: Regierung wird wieder geoeffnet und eine unabhaengige Expertengruppe prueft, ob eine Mauer wirklich sinnvoll und finanzierbar waere. Allerdings geht es ja gar nicht um den wirklichen Nutzen einer Mauer, sondern nur darum bei den entsprechenden Waehlern zu punkten. Also Notstand jetzt!
Trump gewinnt in jedem Fall: Falls die Demokraten nachgeben, dann bekommt er seine Mauer - was ihm persönlich komplett egal ist, aber seinen Wählern gefällt. Falls die Demokraten nicht nachgeben, dann ist der Staat handlungsunfähig, was der Traumzustand der meisten Kapitalismusgläubigen und Hinterwäldler ist.
quark2@mailinator.com 11.01.2019
4.
Hier zeigt sich, wie Trumps kultivierte Unberechenbarkeit ihm ein glaubhaftes Drohpotential verschafft. Einem normalen Politiker würde man nicht zutrauen, daß er die Sache endlos durchzieht, aber bei Trump ... vermutlich wird am Ende eben mal wieder der Klügere nachgeben. Keine schöne Situation.
der IV. Weg 11.01.2019
5. Wer braucht schon Wissenschaft, wer Kunst?
DT jedenfalls nicht. Also weg damit. Pech gehabt, mit diesem "Präsidenten"
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