Mysteriöse Radiowellen Code aus dem Weltraum

Ultrakurze Radioblitze aus dem Weltall zählen zu den großen Geheimnissen der Astronomie. Kanadische Wissenschaftler haben das Phänomen nun zum zweiten Mal beobachtet. Wo sind die Signale entstanden?

Das "Canadian Hydrogen Intensity Mapping Experiment" (Chime) in der Nähe von Vancouver
Keith Vanderlinde / Dunlap Institute

Das "Canadian Hydrogen Intensity Mapping Experiment" (Chime) in der Nähe von Vancouver


Wissenschaftler in Kanada haben mysteriöse Radiowellen von weit außerhalb unserer Galaxie empfangen.

Während eines Testlaufs mit dem extrem leistungsfähigen Radioteleskop "Canadian Hydrogen Intensity Mapping Experiment" (Chime) in der kanadischen Provinz British Columbia seien im Sommer ein Dutzend schneller Radioblitze (Fast Radio Burst, FRB) gemessen worden, schilderten die beteiligten Astronomen am Mittwoch im Fachblatt "Nature" .

Das Phänomen der FRBs gehört zu den großen Geheimnissen der Astronomie. Seit etwas mehr als zehn Jahren beschäftigt es die Forscher - und bis heute ist nicht abschließend geklärt, woher die Blitze stammen. Dass sich diese Radioblitze auch wiederholen können, war vor der Messung durch die kanadischen Forscher erst einmal, im Jahr 2012, beobachtet worden.

Wie und wo die Signale entstanden, ist unklar. Schnelle Radioblitze dauern nur wenige Millisekunden, können aber so viel Energie freisetzen wie die Sonne im Laufe von 10.000 Jahren.

Tausende Radioblitze erwartet

Nachdem das Chime-Teleskop nun voll einsatzfähig ist, könnten bis Jahresende womöglich tausend solcher Radioblitze gemessen werden, erklärte Deborah Good, Doktorandin an der University of British Columbia. Sie gehört zu den 50 Wissenschaftlern von fünf Forschungseinrichtungen, die an dem Forschungsprojekt beteiligt sind.

"FRBs werden wahrscheinlich in dichten, turbulenten Regionen von Gastgalaxien erzeugt", sagte der an den Studien beteiligte Astronom Shriharsh Tendulkar von der McGill University der Nachrichtenagentur AFP. Mögliche Entstehungsorte sind Gaswolken, aus denen Sterne hervorgehen, oder stellare Explosionen wie eine Supernova.

Es sei auszuschließen, dass die sich wiederholenden schnellen Radioblitze durch Katastrophen entstünden, bei denen ihre Quelle zerstört wird, betonte Tendulkar. "Ein FRB durch das Verschmelzen von zwei Neutronensternen oder eines Neutronensterns mit einem Schwarzen Loch beispielsweise kann sich nicht wiederholen."

Die im vergangenen Sommer registrierten Radioblitze weisen eine besonders große Wellenlänge von knapp einem Meter auf. Dass es sich dabei um Botschaften von Leben in fernen Galaxien handelt, hält Tendulkar allerdings für "extrem unwahrscheinlich". "Als Wissenschaftler kann ich das nicht zu 100 Prozent ausschließen", sagte er. "Aber kein Astronom vermutet intelligentes Leben als Quelle dieser FRBs."

AFP/stu/chs



insgesamt 35 Beiträge
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MatthiasMuttersbach 10.01.2019
1. Komisch
"Aber kein Astronom vermutet intelligentes Leben als Quelle dieser FRBs." Warum denn nicht? Hat das einen Grund?
zeichenkette 10.01.2019
2. Das ist wie mit UFOs...
Nur weil etwas unbekannt ist, heißt das noch lange nicht notwendigerweise, dass es Aliens sind. Aber irgendwie gibt es bei vielen Leuten eine überbordende Fantasie, die sich hinter allem (noch) nicht Erkanntem immer sofort irgendwas ganz Fantastisches ausdenkt, ob das Götter, Gespenster, sonstwas "Übernatürliches" oder Aliens sind. Das liegt wohl daran, dass vielen Leuten die Erkenntnis völlig unerträglich ist, dass die Welt zwar in vielen Dingen hochkomplex ist, aber letztlich am Einzelnen völlig uninteressiert und schlicht Naturgesetzen folgend. Wie langweilig. Und dann fabuliert man sich halt lieber bei jeder sich bietenden Gelegenheit irgendwas großartig Bedeutsames her. Und die Medien wissen das natürlich und schlagen fleißig Gefühls-Schaum bei jeder Gelegenheit, denn das zieht immer!
der-liberale 10.01.2019
3. @1 Weil...
...die Wissenschaftler sich größtenteils einig sind, dass Aliens im Wellenlängenbereich des Wasserstoffatoms senden würden und nicht bei 1m Wellenlänge.
taglöhner 10.01.2019
4.
Zitat von MatthiasMuttersbach"Aber kein Astronom vermutet intelligentes Leben als Quelle dieser FRBs." Warum denn nicht? Hat das einen Grund?
Naturwissenschaftler bauen bei Vermutungen auf überprüfbare Hypothesen. Für's Spinnen werden sie nicht bezahlt.
betonklotz 10.01.2019
5. @MatthiasMuttersbach gleich mehrere
Der erste Grund ist die Energie dieser Radioblitze. Eine Technologie, die solche Energiemengen zu handhaben vermag ist nicht nur weit jenseits von allem, was wir zu leisten vermögen, es gibt nicht einmal irgendeine auch nur halbwegs plausible Hypothese für eine solche Quelle. Desweiteren ist absolut kein Zweck erkennbar, dem solche Blitze dienen könnten. Irgendein Signal stellen sie auf jeden Fall nicht dar (das hat man geprüft). Und für jeden anderen denkbaren Zweck gibt es einfachere Wege, ihn zu bewirken.
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